Aktuell · Tipps und Techniken

Fünfe grade sein lassen?

Seht Ihr Euch als Perfektionisten? Als Erbsenzähler? Oder wie man hier sagt als „Diwwelschisser“?

Lacht Ihr Euch über Monk (Wikipedia-Link) halb krank und seid dabei selbst ein kleiner Neurotiker?

Dass mein Sohn da etwas in diese Richtung tickt, wusste ich ja. An mir selbst habe ich das nie so beobachtet. Bei mir muss nicht immer jeder Stuhl an Ort und Stelle stehen, die Gabel liegt auch mal rechts. Ich finde es nicht sonderlich schlimm, wenn mal was vom Essen auf die Tischplatte tropft (Tischdecken gibt’s nur an den wichtigsten Feiertagen) und ich wische nur einmal bei Essen den Tisch ab – nämlich hinterher. Mein Kissen wird nachts geknautscht und geboxt und wird dann achtlos liegen gelassen. Auf meinem Schreibtisch türmen sich die Wollkisten (Danke an Lana Grossa für die suuuuper Verpackung 🙂 ) zu einer atemberaubenden Skyline. Mein Schlüsselbund und mein Kalender sind regelmäßig unauffindbar (meist finden sie sich in den Strassenschluchten in meiner Woll-Großstadt) und die interne Ruftaste für das schnurlose Telefon kann meine Tochter schon alleine bedienen (Memo an mich: sowas brauchen auch mein Schlüsselbund und mein Kalender :lol:). In den Schubladen meiner Küche herrscht das selbe kreative Chaos, wie in meiner Strickecke… damit wären wir auch bei Thema…

Hier fängt nämlich meine Neurose an. 😳 Nadeln räume ich zwar eher seltener auf, da sie meist doch gleich wieder im nächsten Projekt verschwinden. Aber darum geht es ja gar nicht. Es geht um das Strickergebnis. Da bin ich pingelig!

Am Anfang meiner Strickerinnen-Daseins kannte ich nur eine Abnahme: 2 rechts zusammenstricken.

Das hat ja damals auch gereicht, da ich nur Socken strickte, doch es hat mich schon gestört, dass die Abnahmen an der einen Seite des Fußes anders (nämlich doof) aussahen. Dann lernte ich die überzogene Abnahme (also1 re abh, 1 re, die abgehobene M über die gestrickte ziehen). Das war zwar schon viel besser, weil die Maschen nun in die richtige Richtung kippten, doch es gab da immer so unschöne Ecken in der Reihe.

Dann folgte die Erleuchtung! Der SSK!!! Oh, Wunder und schon sah alles so aus, wie es sein sollte.

Mittlerweile kenne ich sogar 2 Arten den SSK zu stricken:

  1. 2 M nacheinander re abh und diese M rechts verschränkt zusammenstricken
  2. 1 M re abh, 1 M li abh und diese M rechts verschränkt zusammenstricken

Probiert’s mal aus, ich finde, es gibt da einen kleinen Unterschied. Ich stricke immer die 2. Variante, weil sie perfekter aussieht 😉

Nun gab es nur noch ein Problem: Wie kriege ich die Abnahmen so gedreht, dass ich sie auch in einer Rückreihe (beim glatt rechts-Strick) mit Linkskipp auf der Vorderseite hinkriege? Ich tüftelte und gab irgendwann auf, das in der Rückreihe hinzubekommen. Aber ich wollte, dass das auch so aussieht, wie wenn ich es in einer Hinreihe machen würde. Was tat ich in meiner Not? Ich strickte die Maschen in der Rückreihe normal links zusammen und ließ sie in der nächsten Hinreihe wieder fallen, um sie dann als SSK zu stricken (bin ein kleiner Strick-Monk :lol:).

Das machte ich eine ganze Weile so, dann kam das Projekt Vintage…… und alles änderte sich!

Was war das? SSP??????

Die Erläuterungen in der Anleitung verwirrten mich nur. Oder war ich zu aufgeregt, weil nun ein Riiiiiesen-Problem endlich seine Lösung fand? Ich weiß es nicht mehr.

„SSP: 2 M nacheinander wie zum rechts stricken abheben, diese beiden M li verschr. zus.str.“

Ich strickte es nach und verknotete mir fast die Finger, das konnte ja nicht stimmen. Schnell eine email an Tina und diese war dann so lieb (Tausend Danke an Dich *Küsschen*) schickte mir diesen Link.

Nun, was soll ich sagen…? Ich habe es richtig gemacht! Das (fast-)Fingerverknoten war Absicht. Und wieder veränderte sich mein Strickerinnen-Leben.

Der SSK und der SSP sind für mich so ergreifende Entdeckungen wie damals die Entdeckung Amerikas oder des heliozentrischen Weltbilds. Lena bezeichnete Tina mal als den Til Schweiger des Strickens (warum eigentlich *neugierigbin*, aber für mich ist sie der Galileo Galilei unter den StrickerInnen. 😆 (Sie selbst sieht sich ja als Tageszeitung für die Strickwelt 😉 )

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5 Kommentare zu „Fünfe grade sein lassen?

  1. Ein witziger Zufall wirklich, dass wir uns mit einem so ähnlichen Thema befassen. Danke an dieser Stelle für Deinen Kommentar.
    Das ist ganz witzig: Ich bin ganz eindeutig der Typ, der schon Zustände kriegt, wenn die Post vom Morgen nachmittags noch auf dem Küchentisch liegt. Was keinen erklärten oder möglichen Platz hat, wird gnadenlos weggeworfen, und wenn mein Strickzeug mehr als die Schublade einnehmen würde, die ihm zugedacht ist, würde ich mich so unwohl fühlen, dass ich sicher nicht mehr stricken würde. Ich bin von der Monk-Fraktion, ich gebe es zu – obwohl mein Mann oft meint, ich könnte Monk noch was beibringen, was Ordentlichkeit angeht. Es ist ein Fluch..
    Paradoxerweise scheine ich beim Stricken bei weitem nicht so pingelig zu sein. Ich gebe es zu (Tina, verzeih mir bitte … ;-/ ), ich habe die sagenumwobenen SSK und SSP ausprobiert, und auch mit den bekannteren Methoden verglichen. Mehrmals sogar und in unterschiedlichen Materialen. Mal ehrlich? Ich kann beim besten Willen keinen optischen Unterscheid erkennen. :-/
    Liebe Grüße
    Martine

  2. Tina ist mein persönlicher Strick-Til Schweiger, weil sie ich finde, dass Til Schweiger einer bekanntesten deutschen Schauspieler ist. Auf die Strickszene bezogen, kenne ich nur wenige Strickerinnen die es mit Tina aufnehmen können (rein vom Bekanntheitsgrad). Was im Filmgeschäft Til Schweiger ist, ist beim Stricken Tina. Deswegen der Vergleich.
    Den Galileovergleich finde ich nicht ganz passend, da Tina zwar viel weiß über stricken, allerdings keine einzige Technik selbst entdeckt hat oder ähnliches. Macht aber nichts 😉 Ein wandelndes Stricklexion ist sie tatsächlich! 😀

    Liebe Grüße,
    Lena

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