Tipps und Techniken

Brustabnäher, Teil 1

Heute geht es um ein überaus wichtiges und auch praktisches Passform-Feature.

Sicherlich habt Ihr auch mal einen Pullover gestrickt und dann festgestellt, dass er vorne noch den ein oder anderen Zentimeter vertragen könnte. Ständiges Dranrumzerren ist die Folge.

Da diese Zentimeter aber nur vorne gebraucht werden, reicht es also nicht aus, den ganzen Pullover länger zu stricken. Wir brauchen die Mehrlänge ja nur vorne.

Das liegt an der Wölbung der Brust. Die braucht eben ihren Platz 😀 . Bei der einen Frau mehr, bei der anderen weniger. Meist kommen die Frauen mit kleineren Körbchengrößen (A + B) ohne Abnäher aus. Die Damen unter uns, die beim Verteilen der Oberweite zweimal hier geschrien haben, werden sich über diesen Post besonders freuen. Auch wenn es etwas Rechenarbeit zur Folge hat. Aber es heißt ja noch lange nicht, dass Frauen mit Holz vor der Hütte ein Brett vorm Kopf haben 😀

Wie findet Ihr also heraus, wie Ihr das stricken könnt?

Ganz einfach: Ihr schnappt Euch eine Person Eures Vertrauens, ein Gürtel oder ein Band, das um Euch rum passt und ein Maßband – und etwas Zeit.

Seid ehrlich zu Euch. 2 cm da verschwinden zu lassen und dort 2 cm drauf zu zugeben, schadet nur der Passform und damit Eurer Arbeit, die Ihr in den Pullover steckt.

Die folgenden Angaben in Klammern sind nur zufällig meine Beispielmaße in cm. 😀

Nun wird gemessen:

– um die stärkste Stelle der Oberweite rum (komplett) = Brustumfang (109)
– von der Seitennaht bis ca. 5 cm zur Brustwarze = Länge des Brustabnähers (15 cm)

In einer englischen Anleitung habe ich mal den Begriff „darts“ (kann man auch mit Pfeil übersetzen) für Abnäher gelesen und das trifft es eigentlich ganz gut. Der Abnäher soll wie eine Pfeil auf die Brustwarze zeigen, aber NICHT darauf enden, darum auch die 5 cm Abstand.

Jetzt bindet Ihr Euch den Gürtel oder das Band WAAGERECHT um die Hüfte bzw. bis zu der Stelle, wo der Pulli enden soll. Wichtig ist, dass es wirklich gerade ist.

– Nun von der Schulternaht über den Rücken bis zum Gürtel messen – Hintere Länge
– von der Schulternaht über die Brust bis zum Gürtel messen – Vordere Länge

Der Abstand zwischen diesen beiden Maßen = Höhe des Abnähers. (3 cm)

Nun braucht Ihr eine Maschenprobe. Ja, genau dieses lästige Stück Gestrick 😉 , aber ohne geht es leider nicht. Bitte das Ganze auch waschen oder spannen.

Als Beispiel nehmen wir mal 24 M und 32 R auf 10 cm. Die Nadelstärke tut hier nichts zur Sache. Also brauche ich demnach für meinen Abnäher 36 M und 7,2 (also 8) R. Es wird immer aufgerundet.

Der Abnäher beginnt ca. 3-5 cm unter dem Armausschnitt. Das hängt nun auch ein bisschen von der Höhe des Abnähers ab. Je höher der Abnäher, desto tiefer beginnt man. Eine genaue Rechenformel kann ich hier leider keine geben, da es auch mit dem Schnitt des Pullovers zusammenhängt. Ist der Schnitt weiter, kann die Höhe auch variieren. Für mich habe ich 4 cm bei einem ganz leichten positive ease als die beste Höhe festgestellt.

Mit dem eigentlichen Abnäher beginnt man allerdings nicht direkt an der Seitennaht, sondern ein paar Maschen daneben, so ca. 2-4 (je nach Maschenprobe; bei kleineren Maschen 4 M). Also habe ich noch 34 M zur Verfügung.

Ich möchte 8 R einfügen. Die Abnäher werden durch verkürzte Reihen eingefügt. Da wir aber immer eine HinR und eine RückR (also 2 R) stricken, bis wir wieder an unserer AusgangsM angelangen, müssen wir nur 4 verkürzte Reihen einfügen.

So muss ich meine 34 M durch 4 teilen um die Anzahl zwischen den WendeM zu ermitteln. = 8,5. Da es hier nicht ganz aufgeht, verteile ich die M zwischen den WendeM etwas um = 2 M vor dem Abnäher 8/8/9/9 für jede Seite. Die kleineren Zahlen liegen zur Brustmitte hin, die größeren sind näher an der Seitennaht.

In der Strickpraxis sieht das dann so aus:

RückR: str bis noch 3 M auf der Nadel sind. WendeM, 1 HinR zurückstr, in der nächsten RückR str bis 9 M vor der letzten WendeM, eine weitere WendeM arbeiten, 1 HinR zurückstr…. man arbeitet die Abnäher von der Seitennaht zur Mitte hin.

Die Abnäher werden – wie bereits erwähnt – mit verkürzten Reihen gearbeitet. Die WendeM können auf beliebige Weise gearbeitet werden. Mir sind derzeit 2 Varianten bekannt: Die Doppelmasche und die Wickelmaschen. Ich persönlich verwende nur  noch die WickelM, da hier keine Löcher entstehen. Im englischen wird das w&t (wrap and turn) genannt. Übersetzt heißt das soviel wie „wickeln und wenden (w&w). Ich weiß nicht warum, aber die Abkürzung erinnert mich immer an einen Zauberspruch aus dem erstem Harry Potter-Film: Witschen und wedeln. 😆

Nach dem Abnäher wird er Pullover ganz normal weitergestrickt. Falls Ihr den Abnäher in eine Strickanleitung einbaut, die keinen hat, bedenkt bei den Maßen, dass Ihr an der Blende mehr Höhe habt, als an der Seitennaht (hier 3 cm). Um weiter nach der Anleitung stricken zu können, müsst Ihr diese Höhe in Gedanken immer abziehen. Nicht, dass der Ausschnitt zu tief oder zu hoch wird. 🙂

Das war nun also der seitliche Abnäher an Pullovern, die von unten gestrickt werden. Funktioniert natürlich auch bei Jacken. 😉

Brustabnäher in von oben gestrickten Projekten werden genauso ermittelt, allerdings beginnen hier die verkürzten Reihen in der Mitte und man arbeitet sie zur Seitennaht hin.

Hier seht Ihr einen Abnäher in einem noch ungewaschen Strickstück, wodurch sich die Naht recht gut abzeichnet:

Eine weitere Art Abnäher zu stricken und der Weg des Ausrechnens stelle ich Euch in den nächsten Tagen vor.

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2 Kommentare zu „Brustabnäher, Teil 1

  1. Ha perfekt! Danke! Noch habe ich keine zusätzlichen Maschen für mein Holz gebraucht, aber ich nehme gern ein paar Maschenmehr zu als die Anleitung vorsieht. Sollte ich irgendwann einmal anbauen wollen, werde ich aber sicher an diesen Post denken 😉

    Liebe Grüße,
    Lena

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